Vier Schreiber geben sich den Stift in die Hand.
2022 hat am Gashahn gedreht, 2023 drückte auf den Sprengknopf und 2024 gab mir Zeit, die vielen Einzelteile einzusammeln und wieder vor mich hinzulegen.
Ich glaube, 2025 wollte sichergehen, dass ich beim Zusammenkleben keine unnützen Teile verbaue und hat mich deshalb vorsorglich durch die Sortieranlage geschickt. Und zwar – und das ist wirklich erstaunlich – schön der Reihe nach durch die vier Kernbereiche eines Lebens. Es gab keine Überschneidungen, es hat sich nichts vermischt. Wie vier Kapitel, von unterschiedlichen Autoren geschrieben, die nichts wussten vom Kontext, nur: Das ist die Hauptperson und das ist das Thema. Mach etwas daraus.
Sie haben gut gearbeitet, die Schreiber. Langweilig ist es nie geworden. Und im Durchleben der vier Kapitel zu den Themen Liebe, Beruf und Berufung, Beziehungen und Lebensraum konnte ich reflektieren, was wirklich noch zu mir gehört und was jetzt endlich gehen darf.
Ich kenne mich mit Numerologie nicht aus, aber Ende 2025 sind mir vermehrt Instagram-Posts mit numerologischen Auswertungen untergekommen. 2025 gibt in der Quersumme 9 und 9 steht für das Ende eines Zyklus. Das fühlt sich für mich stimmig an. Ich bin in den letzten Jahren herausgesprengt worden aus einer Szene und wurde hineingezogen in eine andere. Das Sortieren und Sortiertwerden gehört bei sowas zwangsläufig dazu. Dann fragt man sich: Was ist jetzt noch übrig und wo stelle ich das hin? Das hab ich soweit hingekriegt.
2026 gibt in der Quersumme 1 – Neuanfang. Es fühlt sich nicht so an. Werde ich das in einem Jahr anders sehen?
Aber schön der Reihe nach. Mein Rückblick auf 2025.
Worauf bin ich 2025 stolz?
Ich hatte das ganze Jahr lang sehr viel Freude damit, mich selbst beim Denken und Fühlen zu bezeugen. Ja, so denke ich darüber. Ja, so fühle ich mich gerade. Dieses Bedürfnis, an meiner eigenen Seite zu stehen, für mich geradezustehen, hat sich sehr verstärkt. Und mich immer wieder in Situationen gebracht, wo ich früher gesagt hätte: Ach, das passt doch eigentlich eh. In diesem Jahr wollte sich etwas in mir mit „eigentlich“ nicht zufriedengeben. Das waren keine bewussten oder überlegten Entscheidungen, das war ein Weggezogenwerden, dem ich manchmal ratlos gegenüberstand. Ich hatte gescheite, liebevolle Männer an meiner Seite. Ich hatte sichere Jobs in Aussicht. Ich war mit Menschen in Verbindung, alle freundlich. Ich war eingespannt in einen Ausbildungszyklus, der mich an ein Ziel gebracht hätte. Und ich musste gehen.
Ein paar Leute haben das indirekt undankbar genannt. So viele Geschenke und keins davon willst du behalten? Nein. Es ging nicht. Es ging kein „eigentlich“ und daran habe ich mich gehalten. Darauf bin ich stolz.

Was waren die besten Entscheidungen, die ich 2025 getroffen habe?
Die allerbeste Entscheidung war, die Kündigung meiner klitzekleinen Wohnung, die mir in den letzten beiden Jahren als der sicherste Hafen auf dieser Erde erschienen ist, zurückzuziehen. Der Nachbar unter mir ist nachtaktiv und ziemlich laut, was Milo und mich immer wieder um den Schlaf bringt. Letztendlich war ich nach der Kündigung sehr traurig. Und hab gemerkt – ich mag trotz allem bleiben. Das ging zum Glück dann auch.
Die zweitbeste Entscheidung war, dass ich eine Jobzusage nochmal überdacht habe, nachdem ich die Frau kennenlernen durfte, die mit mir zusammen an der Klasse unterrichtet hätte. Die war so giftig, das wäre nicht gut gegangen.
Welche Entscheidungen haben meinem Jahr eine neue Richtung gegeben?
Die Entscheidung mit der grössten Auswirkung war in diesem Jahr, Mitte September eine ToDo-Liste zu schreiben, um pünktlich am 20.12.2025 gut sortiert und aufgeräumt in die Rauhnachtszeit zu starten. Ich habe diese Liste nach wenigen Tagen in den Schrank gelegt und nicht mehr angeschaut. Dieses an sich unspektakuläre Ereignis hat mich durchgerüttelt und sehr viele Dinge in Gang gebracht, mit denen ich im Leben nicht gerechnet hätte. Unter anderem hat es zu „A Year of Change“ geführt, das am 22.1. 2026 beginnt und bereits jetzt seinen Lauf nimmt.
Was genau mich durchgerüttelt hat? Sicherlich wieder die immer schmerzliche Erkenntnis, dass ich nicht so kann, wie mein Verstand das will. Mein Verstand ist total verrückt nach Prozessen – von A über L ans Ziel. Und dann sehen können was wozu geführt hat. Aber ich als Gesamtpaket schaffe das nie. Obwohl ich das weiss und mich langsam damit abfinden sollte, kommt Ende des Jahres immer dieses Gefühl in mir hoch: Du hättest mehr machen können. Du hättest es besser machen müssen. Und dann sehe ich all die Menschen, die das schaffen. Und steige in den Vergleich. Bei dem ich schlecht abschneide. Und damit geht meine ganze Freude und Begeisterung verloren. Das will ich nicht mehr. Diese Erfahrung, die sich nie ändert, ist langweilig geworden.
2025 war eher bildarm. Ein paar Erinnerungen gibt es aber doch...






Was habe ich 2025 über mich gelernt?
- Ich bin DOCH verbindlich. Hatte ich nur immer falsch verstanden!
- Ich habe kein Bedürfnis nach Fleisch mehr und würde mich, wenn jemand fragt, als 95%ige Vegetarierin bezeichnen.
- Ich werde, wenn ich begeistert über etwas erzähle, oft missverstanden. Deshalb hab ich das eingestellt.
- Ich mag Action gern, aber nur als Highlight, nicht als Dauerzustand.
- Ich kann tanzen!!
- Ich liebe Kapern!!!
- Koriander ist toll!!!
- Ich werde langsam ein bisschen schrullig.
- Ich habe das „Handglatt“- Syndrom. Ich glaube, das will ich mal in einem Blogartikel erläutern…
Das habe ich 2025 zum ersten Mal erlebt/gemacht.
- Ich bin aus einer Gondel 134 Meter in die Tiefe gesprungen. Es war ein Geburtstagsgeschenk, mir wäre das im Traum nicht eingefallen. Das Lustige ist: Der Sprung selbst ist schon wieder aus meinem Gedächtnis gerutscht, ich habe gar kein Gefühl mehr dazu. Was hingegen sehr präsent ist: wie aus 21 fremden Menschen durch eine gemeinsame Grenzerfahrung eine Familie wird. Das war irgendwie ergreifend.
- eine feste Jobzusage zurückgezogen.
- eine grosse Entscheidung, die sich falsch anfühlt, rückgängig gemacht
- verhandelt – eine ganz neue Erfahrung!
- aus einem Zug geworfen worden – in Italien. Ich war mit dem Ticket einer alternativen Zuggesellschaft unterwegs. Der extrem genervte Bahnmitarbeiter hatte dafür null Verständnis. Und ich musste im Niemandsland aussteigen.
- einen Auffahrunfall gehabt – ein riesiger LKW (mit einem, wie sich später herausstellte, extrem übermüdeten Fahrer) hat zurückgesetzt und mein Auto einfach mal zwei Meter nach hinten geschoben. Ich kam mir kurz vor wie in einem Actionfilm!
- eine Kaki gegessen (Ja, echt!)
- realisiert, dass ich doch kein Pitta – Typ bin!
- ohne andere Menschen Silvester gefeiert und um 23h ins Bett gegangen – ohne das Gefühl, etwas zu versäumen
- aus vollem Herzen und sehr dankbar gesagt: Ich habe mir ein Leben aufgebaut, von dem ich keine Auszeit brauche.
Welche Lektionen hat mir 2025 mitgegeben?
Es tut mir nicht gut, zu viel Zeit zu haben. 🙂
Wofür bin ich 2025 besonders dankbar?
- für die drei Menschen in meinem Leben, auf die ich mich immer verlassen kann
- für meine Hündin Milo, die einfach die Beste ist
- für meine kleine, ordentliche Wohnung voller Bücher und Kerzen – ich freu mich jedesmal, wenn ich nachhause komme!
- für stundenlange Telefongespräche mit meiner Mama
- für Esther-Schwester-Zeiten
- für das Wochenende in Grado mit meiner Mutter und meinen drei Tanten – es war unheimlich schön zu sehen, wie diese vier Damen wieder Teenagerinnen geworden sind!
- für jedes herzliche Gespräch im letzten Jahr – und es waren viele
- für zwei tolle Kindergruppen, die ich 2025 unterrichtet habe
- für Wälder
- für Musik
- für Gewürze und frische Äpfel
- für Human Design
- für schöne Stimmen, die Hörbücher einlesen
- für meinen Versicherungsagenten, der den (unverschuldeten) Auffahrunfall richtig schnell bearbeitet hat
- für meinen Hausarzt, der mich 20 Jahre lang betreute und jetzt mit über 70 in Rente geht
- für jeden Kuss dieses Jahr – ausser einem waren alle grossartig!
- für jede Erkenntnis, die ich dieses Jahr hatte
- auch für die grosse Sommerkrise, ohne die wären viele Dinge immer noch unklar
- und für mich selbst, die ein Stehaufmännchen ist, auch wenn sie das selbst nicht glaubt
Was waren meine größten Herausforderungen in 2025?
Die allergrösste Herausforderung war die grosse Sommerkrise – 10 Tage im Bett, auf Stecknadelgrösse geschrumpft, unfähig, irgendetwas dagegen zu unternehmen. Die zweite war die Frage, wie ich mein Klavier vom einen Klassenzimmer in Schulhaus A zum anderen Klassenzimmer im Schulhaus B transportiert kriegen würde. Das hat mich zwei Nächte Schlaf gekostet und mir mal wieder gezeigt, dass ich ECHT SCHLECHT bin im Um-Hilfe-Bitten.
Und sonst: Wie geht man mit Menschen um, die um jeden Preis Drama wollen und nötigenfalls die Gründe dafür einfach ERFINDEN???
Was ist 2025 richtig gut gelaufen?
- Mein Lehrerleben. Ich war schon lang nicht mehr so gern Lehrerin wie in diesem Jahr.
- Ich kümmere mich immer besser um mich selbst – mit gesundem Essen, langen Waldtouren und der oft kompromisslosen Entscheidung wegzugehen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt.
- Ich habe angefangen, Bücher nicht zu Ende zu lesen. Das hätte ich mir früher nicht erlaubt. Jetzt ist mir meine Zeit einfach zu schade für lahme Geschichten.
- Meine Begeisterungsfähigkeit und Berührbarkeit – irgendwie scheinen sich ein paar Panzerschichten abgelöst zu haben.
- Meine Gesundheit – beim jährlichen Rundumcheck hatte ich einwandfreie Werte. Ich bin sehr dankbar!

Was lasse ich im Jahr 2025 zurück und nehme es nicht mit ins neue Jahr?
- das Wort „Scheisse“ – ich weiss nicht ganz genau warum, aber ich baue das oft ein, wenn ich nicht zu eindringlich klingen will.
- toxische Selbstgespräche
- Leuten Gefallen zu tun, wenn die nie honoriert werden
- mich über Autofahrer zu ärgern, die 20 bis 30km/h zu langsam vor mir herschnecken (Das wird schwierig!)
- meine Angst, sichtbar zu sein

Mein Ausblick auf 2026
Was ich 2026 anders mache:
Ich habe grosse Lust, mein Leben noch reibungsfreier zu gestalten. Das bedeutet Arbeit auf vielen Ebenen, denn da gehört alles dazu, ist verschachtelt, ineinander verwoben und manchmal sehr unübersichtlich. Und 2026 werde ich mich diesem Brocken respektvoll, aber abenteuerlustig stellen. Und nicht sofort den Kopf in den Sand stecken, wenn es mal schwierig wird.
In meinem Jahresrückblick 2026 wird stehen:
Die Kunst der kleinen Schritte oder: Wie ich 2026 zur Heckenbezwingerin wurde
Ich wünsche dir ein wundervolles neues Jahr. Wir sehen uns auf Kontinent 8!