Auf der Suche nach einem Motto wie ein Talisman, der an einer Kette um meinen Hals hängt – und wenn ich müde werde, mutlos oder an mir selbst verzweifelnd, will ich nach diesem Talisman greifen und spüren, wofür ich dieses Jahr angetreten bin. Es hat ein paar Tage gedauert, dann war es plötzlich da: Aller Anfang ist Gold. Nicht schwer. Gold. Ich bin schnell zu entmutigen. Hindernisse fühlten sich oft an wie persönliche Trotzaktionen des Lebens gegen mich. Als würde es mich höhnisch auslachen: Du?? Bilde dir nichts ein. Ich kann mich an den Moment des Verstehens erinnern, unterwegs im Wald mit meinem Hund: Was mir im Weg steht, will mich wachsen sehen.
Ich will in diesem Jahr nicht nur die Neuanfänge feiern, die auf mich warten. Ich will vor allem feiern, dass sie sich ungewohnt und verunsichernd anfühlen werden – und ich genau das in diesem Jahr wähle. Ich wähle die Verunsicherung, aus ganzem Herzen. Ich bin schon so lange ängstlich darauf bedacht, nicht in Schieflage zu geraten, dass es sich anfühlt, als wäre ein wichtiger Teil in mir versandet. Da gibt es eine Wüste in mir, wo früher etwas geblüht hat. Ich will dieses Blühen wiederhaben, es fehlt mir sehr.
Aller Anfang ist Gold: Wie ich dieses Motto 2026 mit Leben füllen werde
Drei Perspektiven, die mich durch dieses Jahr begleiten sollen:
1. Ich lasse mich finden – von Neuanfängen, die gemacht werden wollen.
Statt ToDo-Listen zu schreiben, meine Zeit zu verträumen oder damit zu hadern, dass nichts vorwärts geht (und davon sehr müde zu werden) will ich lieber meiner Freude folgen und intuitiv spüren, wo es am besten für mich passt. Wenn ich etwas schreiben will, dann schreibe ich. Wenn ich etwas teilen möchte, dann tue ich das. Nicht für das Kreuzchen auf Papier, sondern weil es dran ist. Und wenn sich dabei meine inneren Widerstände melden, werde ich das feiern. Und sie mir zur Brust nehmen. Mit allen Methoden, die ich in den letzten Jahren erlernt und erarbeitet habe. In Wirklichkeit tue ich diesem Haufen Spielverderbern in mir einen Gefallen – ich glaube, die langweilen sich schon tödlich mit sich selbst.
2. Ich schaue mir beim Wachsen zu.
Ich schaue, was wachsen will. Statt als strenge Gärtnerin jedes Pflänzchen kritisch unter die Lupe zu nehmen und sehr schnell zu sein beim Ausrupfen vermeintlichen Unkrauts, will ich lieber den Wildwuchs erlauben. Ich schreibe Blog-Artikel, auch wenn sie nicht perfekt sind. Ich poste auf Instagram, auch wenn das Bild nicht ins Konzept passt. Ich teile Gedanken, auch wenn sie noch nicht fertig gedacht sind.
Die Unsicherheit wird meinen Mut- und meinen Whatever-Muskel trainieren – beide in den letzten Jahren etwas abgeschlafft. Ich werde mich verletzlicher fühlen, wenn ich nicht sagen kann: Ich habe Qualität abgeliefert. Ich werde mich in meinem Selbstwert bedroht fühlen, wenn ich nicht sagen kann: Ich habe mich sehr bemüht. Aber das ist das kalkulierte Risiko in diesem Jahr. Alles ist besser als mein Albtraumszenario – mich am Ende fragen zu müssen: War wirklich gar nichts gut genug?
3. Ein freundliches Hallo zur Welt.
Ich hatte jetzt lang eine innere Brille auf und war ziemlich zurückgezogen. Das fühlte sich sehr stimmig an. Mich ganz in meine Prozesse vertiefen zu können, ist ein Privileg. Aber es ist halt so wie alles im Leben – man sollte den Zeitpunkt nicht übersehen, an dem es eine Neubewertung braucht. Ich bin gern die Forscherin im Keller, aber langsam wird die Luft da unten knapp. Zeit, nach oben zu gehen und alle Türen und Fenster zu öffnen.
Ich weiß nicht, worauf es hinauslaufen wird. Mir ist wichtig, in diesem Jahr dem fröhlichen, kreativen und lebendigen Menschen, der ich bin, wieder Raum zu geben. Es fühlt sich unaufgeregt an: Wenn man Hunger hat, isst man, wenn man müde ist, legt man sich hin. Und wenn man der Welt ein Stück näherkommen will , sagt man erstmal Hallo.
Willst du mein Hallo hören? https://www.instagram.com/kontinent_8/